
Ein modernes Märchen
Es war einmal vor langer, langer Zeit in London ein kleiner Junge, der mit seinen Eltern in der Myths Street Nummer 7 wohnte.
An einem schönen Herbsttag hielt sich die Mutter auf dem Balkon auf, um Wäsche aufzuhängen. In dieser Zeit fuhr ihr kleiner Sohn in der Wohnstube mit seinem Spielzeugbagger herum. Plötzlich stieß er mit dem Bagger an die Balkontür; die Tür fiel zu. Seine Mutter erschrak und versuchte, die Balkontür zu öffnen. Aber vergebens. In ihrer Not schrie sie um Hilfe, aber keiner hörte sie. Draußen tönte der Straßenlärm, es brummte, hupte, Polizeiautos fuhren lärmend durch die Straßen.
Auf einmal bemerkte der Junge, dass seine Mutter ausgesperrt war. Er klopfte gegen die Scheibe, aber die Mutter konnte nichts tun. Ihr liefen die Tränen übers Gesicht. Der Junge wusste, wo sein Lieblingsspielzeug zum Trösten lag und lief in die Küche. Dort saß es neben dem Herd, weil es beim Kochen zuschauen sollte. Der Junge kletterte auf das Fußbänkchen und taste nach dem Kuscheltier. Doch dabei stieß er an den heißen Topf mit Essen und riss ihn herunter. Im selben Moment machte es „ Bimm!“ und zum Vorschein kam ein kleines pummeliges Wesen, das den Topf zum Schweben brachte und ihn wieder sicher auf den Herd stellte. Es lächelte freundlich und sagte: „ Ich bin dein Schutzengel.“ Der Junge machte große Augen. Er rieb sich die Augen, doch der Engel war wieder weg. In seinen Armen war das Kuscheltier. Auf der Suche nach seinem Schutzengel kletterte der Kleine in den Regalen herum. Er dachte, der Schutzengel spiele mit ihm Verstecken. Dabei fiel Einiges aus dem Regal heraus, denn es wackelte leicht. Im Regal stand eine Figur, die seinem Schutzengel sehr ähnlich sah. Diese wollte er unbedingt erreichen. Doch dabei geschah das nächste Missgeschick. Er rutschte ab und versuchte sich festzuhalten. Dabei riss er einen Blumentopf herunter. Im gleichen Augenblick machte es wieder „ Bimm!“ und der Schutzengel erschien, um das Schlimmste zu verhindern.
Da sprach der Schutzengel: „ Du siehst mich jetzt zum zweiten Mal. Dreimal kannst du mich nur sehen.“ Der Junge schaute und zeigte weinend auf die Balkontür: „ MAMA!“. Der Engel erkannte die Situation des kleinen Jungen. Als Schutzengel war es keine Hürde zu helfen, dachte er zumindest. Er entdeckte die Kindersicherung und entriegelte sie. Gemeinsam probierten sie, die Tür aufzubekommen. Der Engel stellte sich auf die Handflächen des Kindes, er zog an der Türklinke, aber die Tür ging nicht auf. Etwas erschöpft setzte er sich auf die Türklinke, um Luft zu holen. Da geschah es, die Tür sprang auf. Erleichtert umarmten sich Mutter und Sohn. Gerade noch sah der kleine Junge, wie der Engel durch die Mikrowelle verschwand. Zu Hause bemerkte der Engel, dass er neue, glänzende Flügel bekommen hatte. Aber das ist schon eine neue Geschichte.
Das Märchen wurde erzählt von Jessica Stoye, Lena Examitzki, Johanna Fazekas, Laura Schloßberger, Cora Weißer (alle 6/1) und Anna- Franziska Kokott ( 6/2). (GTA-Angebot: "Kreatives Schreiben")
Die Schüler der Klassenstufe 6, die am Ganztagsangebot KREATIVES SCHREIBEN teilnehmen, haben eine Meldung aus der Zeitung in ein Märchen verwandelt. Die Meldung lautete: In England hat ein Kleinkind seine Mutter auf dem Balkon ausgesperrt. Die arme Frau musste stundenlang warten, bis ihr Mann nach Hause kam. Das Kleinkind musste wohl einen Schutzengel gehabt haben: Es tollte in der Wohnung herum und räumte die regale aus. Passiert ist ihm dabei nichts.